Vom Klassenclown zum Zirkusclown?

FRUST UND LUST IN DER BILDUNG

V iele Untersuchungen weisen darauf hin, dass gelingende Bildung nicht alleine von der Intelligenz der Schüler:innen abhängig ist. Wichtige Lernfaktoren sind auch das Lernklima. Wie wohl, wie sicher und wie wertgeschätzt fühlt sich jeder Einzelne in der Klasse? Wie werde ich von meinen Mitschüler:innen und der Lehrkraft angenommen? Auch das eigene Selbstbild spielt eine Rolle. Glaube ich an mich? Erlebe ich mich als erfolgreich? Glaube ich daran, dass sich Lernen und Anstrengung lohnt? Der Zirkus Giovanni ist überzeugt, dass Zirkus Schulklassen helfen kann am Klassenklima und dem positiven Umgang miteinander zu arbeiten.

2018 startete das Projekt „Zirkus macht stark – Psychosoziales Förderprogramm für Schulklassen“. Teil des Programms sind neben der Durchführung von Zirkuswochen auch kostenlose Handreichungen und Fortbildungen für die beteiligten Lehrkräfte sowie die Ausstattung der teilnehmenden Klassen mit Zirkus- und Kooperationsmaterialien. In ganz kleinen Settings mit etwa einem Erwachsenen für vier Kinder werden individuell für jeden Teilnehmenden Erlebnisse geschaffen, die für das eigene Lernverhalten wichtig sind. In vielen Übungen geht es darum beim Lernen Erfolg zu spüren, Anerkennung zu erfahren, positive Beziehungen in der Klasse zu stärken und funktionierende Klassenregeln zu erarbeiten.

EVALUATION MIT 90 SCHULKLASSEN


A m Förderprogramm nehmen insgesamt 90 Grundschul-, Mittelschul- und Förderschulklassen teil. Um die Effekte des Programms zu evaluieren wurde in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kinder- und Jugendhilfe Mainz ein Instrumentarium entwickelt, mit dessen Hilfe insgesamt über 100.000 Einzeldaten abgefragt werden. Zum Einsatz kommen zum einen die im Grundschulbereich etablierten „Fragebögen zur Erfassung emotionaler und sozialer Schulerfahrungen von Grundschulkindern“(Wulf Rauer und Karl Dieter Schuck). Dieses Instrumentarium erfasst Aspekte wie die Kompetenzzuschreibungen der Schüler:innen (Selbstkonzept der Fähigkeit), die erlebte eigene soziale Integration in der Klasse (Soziale Integration), die wahrgenommenen sozialen Beziehungen in der Klasse (Klassenklima), das Wohlbefinden in der Schule (Schuleinstellung), die Wahrnehmung der Gefühle beim Lernen (Lernfreude), die Bereitschaft, sich schulisch Neuem und Anstrengendem zu öffnen (Anstrengungsbereitschaft) und die erlebte Wahrnehmung durch die Lehrerinnen und Lehrer (Gefühl des Angenommenseins).

Ergänzend kommen Fragebögen aus den Leipziger Kompetenz-Screenings für die Schule (Hartmann/Methner (2015) zum Einsatz. Diese erfassen die Kompetenzen der Schüler:innen im emotional-sozialen Verhalten sowie im Lern- und Arbeitsverhalten aus Sicht des Lehrers. Weitere vom Zirkus Giovanni in Kooperation mit dem IKJ Mainz entwickelten Evaluationsbögen erfassen die Prozessqualität des Zirkustrainings sowie die Entwicklung der Gesamtsituation der Klasse. Die Evaluation ruht derzeit pandemiebedingt seit März 2020 und soll zu einem späteren Zeitpunkt fortgeführt werden.

 
 
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